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Die Hauptuntersuchung nach § 29 StVZO

Einen Termin lieben viele Autofahrer überhaupt nicht! Es ist der Termin, der auf der Plakette auf dem hinteren Nummernschild angegeben ist und dem Autofahrer signalisiert, dass er mit seinem geliebten fahrbaren Untersatz zur Hauptuntersuchung nach § 29 StVZO muss.

HU Plakette 2016 gestrichen

 

Die Plakette zeigt an, dass der Termin für die HU berreits Ende Dezeber abgelaufen ist. - Bild Kröner / GTÜ

Damit man seinen HU-Termin auch nicht versäumt, kann man sich von seiner Prüforganisation auch gerne daran erinnern lassen.

HU Erinnerung

Wer macht die HU und was wird geprüft?

In Deutschland gibt es mehrere amtlich anerkannte zugelassenen Überwachungsorganisationen, die die Hauptuntersuchung durchführen dürfen: TÜV, Dekra, GTÜ und KÜS. Während es sich bei TÜV und Dekra um hauptamtliche Prüfingenieure handelt, sind es bei GTÜ und KÜS freiberuflich tätige Kfz-Sachverständige, die die Fahrzeuguntersuchungen durchführen. Beim Pkw sind das die Hauptuntersuchung (HU) und die dazugehörige Abgasuntersuchung.

Die Prüfer müssen bei der Hauptuntersuchung alle in der "Richtlinie über die Durchführung der Hauptuntersuchung und die Beurteilung der dabei festgestellten Mängel" festgelegten Punkte genau überprüfen. Die HU ist eine Funktions-, Wirkungs- und Sichtprüfung, bei der Fahrzeuge nicht zerlegt werden müssen. Voraussetzung für die Anbringung der HU-Plakette ist außerdem die Vorschriftsmäßigkeit des Fahrzeugs gemäß StVZO. Seit 01.01.2010 gibt es übrigens keine gesonderte Abgasuntersuchung (AU) mehr. Diese wurde in die Hauptuntersuchung (HU) vollständig integriert. Für die Untersuchung der Abgase der Kraftfahrzeuge gilt die "Richtlinie für die Untersuchung der Abgase von Kraftfahrzeugen nach Nummer 6.8.2 Anlage VIIIa StVZO" (AU-Richtlinie).

Die Baugruppen, die geprüft werden sind:

  • Bremsanlage

  • Lenkanlage

  • Räder und Reifen

  • Beleuchtungs- und Signalanlage

  • Achsen mit Aufhängung

  • Federung und Dämpfung

  • Fahrgestell, Rahmen und Karosserie

  • Motor mit Antriebsstrang und

  • Auspuffanlage.

Außerdem werden neben der Ausrüstung die Sichtverhältnisse, die Umweltbelastung und die Identifizierung des Fahrzeugs ebenfalls überprüft. Welche Punkte im Einzelnen geprüft werden müssen, kann man sich bei den Prüforganisationen downloaden und so schon mal vorab viele kleine Details selber abchecken.

Hauptuntersuchung

Ein Prüfingenieur untersucht hier Fahrwerk, Bremsen und Räder eines PKW - Bild KD Busch / GTÜ

Am Beispiel Bremse kann man beispielsweise erkennen, was im Detail geprüft wird.

Sichtprüfungen Bremsscheiben und –trommeln auf Riefenbildung,
Korrosion und abnormalen Verschleiß prüfen,
Bremsleitungen und –schläuche auf Korrosion und Befestigung prüfen, Bremsanlage auf Dichtheit prüfen,
Abnutzung der Gummibeläge der Pedale,
Zustand der Bremsflüssigkeit, Bremsflüssigkeitsstand
Verschleiß ermitteln Bremsbeläge auf Verschleiß und abnormale Abnutzung prüfen
Funktionsprüfung Wirkung der Fußbremse,
gesetzliche Werte auf dem Bremsenprüfstand beurteilen,
Leichte Bedienbarkeit der Handbremse

Seit Juli 2015 werden bei Fahrzeugen ab 2006 auch die sicherheitsrelevante elektronisch geregelte Bauteile und Systeme im Fahrzeug über die Onboard-Schnittstelle mit dem sogenannen HU-Adapter überprüft. Dazu gehören u.a. Lenkanlage, Bremsanlage ABS, Fahrdynamikregelungen mit Bremseneingriff wie ESP, Geschwindigkeitsbegrenzer wie ACC, Rückhaltesysteme wie Airbags und Gurtstraffer oder adaptive Lichtsysteme und bei Cabrios der Überrollschutz.

Wichtige Fragen zur HU

In welchen Abständen ist eigentlich bei Pkws und Motorrädern eine Hauptuntersuchung nach § 29 fällig?

Bei Pkws und Motorrädern gilt grundsätzlich, dass die HU 24 Monate nach dem jeweils letzten Untersuchungstermin fällig ist. Bei erstmals in den Verkehr kommenden Fahrzeugen ist die Hauptuntersuchung nach 36 Monaten, danach alle 24 Monate durchzuführen. Wohnmobile bis 3,5 Tonnen werden wie Personenkraftwagen behandelt.

Was ist, wenn jemand seinen Termin um mehr als 2 Monate versäumt hat?

Wenn die Plakette bereits mehr als zwei Monaten abgelaufen ist, wird durch die Prüfstelle eine vertiefte Prüfung durchgeführt. Wenn man davor in eine Verkehrskontrolle gerät, muss man mit einem Bußgeld sowie Punkten in Flensburg rechnen. Hat man die HU z.B. um 2 - 4 Monate überzogen, so sind 15 € fällig, bei mehr als 8 Monaten sind es 60 € und 1 Punkt in Flensburg. Mit dem Bußgeldrechner von kfztech.de kan man sich das auch ausrechnen lassen. Kritisch könnte es auch sein, wenn man mit abgelaufener HU-Plakette in einen Unfall verwickelt wird. Dann könnte die Versicherung den Halter belangen.

Welche Unterlagen benötigt der Pkw-Fahrer, wenn er sein Fahrzeug zur Hauptuntersuchung vorstellen muss?

Für die HU benötigt er die Zulassungsbescheinigung, Teil I (früher: den Fahrzeugschein) und evtl. vorhandene Anbaubestätigungen oder eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE), z.B. für Aluräder.

Wie muss ein Pkw-Fahrer vorgehen, wenn sein Pkw abgemeldet ist, und er es wieder zulassen möchte, aber auch die HU fällig ist.

Als erstes sollte sich der Pkw-Fahrer bei seiner Versicherung eine EVB-Nummer besorgen und danach die Zulassung einleiten. Hierfür ist eben die EVB-Nummer sowie Zulassungsbescheinigung, Teil I und II nötig. Daraufhin erhält er von der Zulassungsstelle ein neues Kennzeichen. Damit kann er dann zur Prüfstelle fahren und die HU durchführen lassen. Anschließend muss er dann noch mit der Bescheinigung über die bestandene Hauptuntersuchung die Zulassung abschließen.

Festgestellte Mängel

Bleibt ein Fahrzeug ohne Mangel (OM) so ist das natürlich hervorragend. Aber in der Regel werden fast immer Mängel entdeckt. Mängel am Fahrzeug werden in drei verschiedene Kategorien eingeteilt:

  • geringer Mangel (GM),

  • erheblicher Mangel (EM),

  • verkehrsunsicher (VU)

Geringe Mängel sind Mängel, bei denen auf Grund von Verschleiß oder Gebrauch eine kurzzeitige Abweichung von Vorschritten oder Richtlinien hingenommen werden kann. Bei diesen Mängeln ist zum Zeitpunkt der Mängelfeststellung eine Verkehrsgefährdung und/oder unzulässige Umweltbelastung nicht zu erwarten. Bei geringen Mängeln wird die Plakette erteilt. Der Halter muss den Untersuchungsbericht der HU mindestens bis zur nächsten HU aufbewahren. Nicht vorgeschrieben ist, dass der Halter den Untersuchungsbericht bei jeder Fahrt dabei hat. Der Halter des Kraftfahrzeugs hat die festgestellten Mängel unverzüglich, spätestens jedoch innerhalb eines Monats beheben zu lassen.

Erhebliche Mängel sind Mängel, die zu einer Verkehrsgefährdung und/oder unzulässigen Umweltbelastung führen oder auf Abweichungen von den Vorschriften und den hierzu ergangenen Richtlinien beruhen; dazu zählen auch Mängel, die eine Verkehrsgefährdung erwarten lassen. Eine Nachprüfung ist erforderlich. Bei einem erheblichen Mangel wird die Plakette bis zur Beseitigung des erheblichen Mangels versagt.

Verkehrsunsicher ist ein Fahrzeug das eine unmittelbare Verkehrsgefährdung darstellt. Bei einem verkehrsunsicheren Fahrzeug wird die bisherige Plakette entfernt und das Kfz wegen des verkehrsunsicheren Zustands vorläufig stillgelegt. Der Fahrzeugführer/-halter wird darauf hingewiesen, dass das Fahrzeug so nicht mehr am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen darf.

Die folgenden Beispiele zeigen, wie verschieden Mängel eingestuft werden.

Gefundener Mangel Kategorie
Defekte Kennzeichenbeleuchtung Geringer Mangel
Bremse zieht schief
Bremsleitung undicht
Bremsleitung ist undicht - Bild: kfztech.de
Erheblicher Mangel
Von Rostfraß zernagtes Fahrgestell Verkehrsunsicher
Rückspiegel rechts verkratzt  Geringer Mangel
Profiltiefe unter 1, 0 mm an zwei Reifen Erheblicher Mangel
 Traggelenk hat zu viel Spiel
Traggelenk
Traggelenk (Bild kfztech.de)
Erheblicher Mangel
Starke Korrosion an Federbeindom Erheblicher Mangel

Wer sich vor der Hauptuntersuchung schlau macht, und einige Punkte selber checkt, oder in der Werkstatt seines Vertrauens beheben lässt, muss den Termin zur Hauptuntersuchung auch nicht scheuen.

 

 


Autor: Johannes Wiesinger

bearbeitet: 29.04.2017









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