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Ganzjahresreifen - Vor- und Nachteile

Begleiten Ganzjahresreifen die Autofahrer angemessen durch die unterschiedlichen Jahreszeiten?

Lagerung und Reifenwechsel

Ganzjahresreifen, auch Allwetterreifen genannt, sind gegenüber der klassischen Achtfachbereifung im Vorteil. Zumindest was den geringeren Aufwand angeht. Denn es entfällt einerseits der halbjährliche Wechsel der Reifen und andererseits erhält man zusätzlichen Platz in der Garage oder im Keller zurück. Zudem kann auch auf die regelmäßige Kontrolle des Luftdrucks der gelagerten Reifen verzichtet werden, denn diese verlieren nach und nach Luft und altern deswegen schneller. Darüber hinaus müssen die Reifen wieder an die ursprüngliche Stelle montiert werden. Eine Kennzeichnung, die am besten mit Kreide auf der Lauffläche angebracht wird (beispielsweise "VR" für "vorn rechts", "HL" für "hinten links"), hilft bei der richtigen Montage. Wird die Kennzeichnung aber vergessen, führt eine falsche Montage zu schlechterem Fahrverhalten.

Continental -  Winterrreifen im Schnee

Um so durch den Schnee zu heizen, braucht man schon die richtigen Reifen. Geht das auch mit Ganzjahresreifen? - Bild: Continental-Reifen

Durch die Verwendung von Ganzjahresreifen fallen für Leasing- und Leihwagenflotten nicht zu unterschätzende zusätzliche Gewinne an. Das sind aber nicht die einzigen Vorteile von Ganzjahresreifen. Der immer wiederkehrende Umrüstprozess mit direkt messendem Reifendruck-Kontrollsensoren ist teuer und kompliziert.

Unterschiede hinsichtlich der Materialzusammensetzung

Während früher die Unterschiede zwischen Sommer- und Winterreifen vor allem am unterschiedlich ausgeprägten Profil erkennbar waren, werden heutzutage die Fahreigenschaften über die Materialzusammensetzung gesteuert. Winterreifen für den mitteleuropäischen Markt sind speziell für niedrigere Temperaturen ausgelegt. Sie enthalten einen höheren Anteil von Naturkautschuk. Dadurch bleibt der Reifen auch bei klirrender Kälte weich genug und entfaltet ausreichend Grip. Dem Sommerreifen wird dementsprechend weniger beigemischt, dieser bleibt bei höherer Hitze hart, um in der Spur zu bleiben. Das Hauptaugenmerk der Entwickler liegt dabei auf dem Fahrverhalten bei Nässe. Denn eine Schwäche hätte gravierende Folgen für die Verkehrssicherheit. Ein optimales Fahrverhalten bei Nässe bedeutet immer auch mehr Verschleiß und höheren Benzinverbrauch. Bei Ganzjahresreifen, die immer ein Kompromiss zwischen härteren und weicheren Materialzusammensetzungen sind, dürften der Verschleiß und der Benzinverbrauch konstant höher liegen als bei einer Achtfachbereifung. Die Kosten dürften aber trotzdem wesentlich geringer sein. Zusätzlich spart man sich die halbjährliche Arbeit des Wechsels ein.

Ganzjahresreifen eine Herausforderung für die Hersteller

Die Reifen so zu konstruieren, dass sie auf die unterschiedlichsten Witterungsbedingungen zufriedenstellend reagieren, ist die große Herausforderung für die Autoreifenhersteller. In der Trocken- und Nassdisziplin bieten die Sommer bzw. Winterreifen traditionell ein komfortableres Fahrverhalten als Allwetterreifen. Aber laut Berichten von Auto Bild und Auto-Motor-Sport aus 2016 haben die Hersteller die Kluft zwischen Winter- bzw. Sommerreifen und Ganzjahresreifen nahezu geschlossen. Der Test für Ganzjahresreifen der Zeitschrift pro mobil für Reisemobile ist in dieser Hinsicht auch sehr interessant.

Continental Vanco Four Season Ganzjahresreifen

Der Continental Vanco Four Season war 2016 Testsieger bei den Ganzjahresreifen für Wohnmobile - Bild: Continental Reifen

Auto-Motor-Sport eher positiv gegenüber Ganzjahresreifen eingestellt

Der Ganzjahresreifentest von Auto-Motor-Sport im September 2016 für die Kompaktklasse, bei dem Sommer- und Winterreifen als Referenzreifen verwendet wurden und ein VW-Golf als Testfahrzeug diente, ergab: Die Autoreifenindustrie hält weitgehend, was sie für die aktuelle Generation der Ganzjahresreifen versprochen hatte. Ein optimales Fahrverhalten sowohl bei Sonne, Regen und Schnee. Denn auch die Hersteller von Autoreifen können sich nicht dem allgemeinen Trend nach immer größerer Vereinheitlichung komplexer Abläufe verschließen. Der Konsument will möglichst nicht mit zusätzlichem Aufwand belästigt werden. Laut Auto-Motor-Sport "sind Ganzjahresreifen eine ernst zu nehmende Alternative zu den jeweiligen Sommer- und Winterspezialisten". Allerdings schränken die Tester ihr positives Urteil ein. Sie monieren eine nicht ausreichende Seitenführung vor allem bei sommerlichen Witterungsverhältnissen.

Goodyear Vector 4Seasons 215/60 R17

Der Goodyear 4Seasons 325/60 R17 Ganzjahresreifen war Testsieger bei auto motor und sport 2016 - Bild: Goodyear

Ganzjahresreifen - Ein Muss für Wenigfahrer

Nicht selten entdecken Gelegenheitsfahrer bereits nach zwei Jahren poröse Stellen an ihren Reifen. Gravierende Alterungserscheinungen sind bei Wagen mit geringer Laufleistung oft zu beobachten. Die Lebensdauer eines Reifens ist begrenzt. Das Reifengummi wird durch Alterung und durch längeren Stillstand des Fahrzeugs spröde. Auch durch unsachgemäße Lagerung können Reifen durch Einflüsse wie Licht und Wärme schneller altern. Gerade ältere Menschen haben oftmals eine jährliche Laufleistung von unter 4000 Kilometer. Durch das längere Stehen verschlechtern sich unter anderem die Nassgriffeigenschaften, aber auch bei trockener Fahrbahn werden die Fahreigenschaften schlechter. Vor allem Wenigfahrer sollten die Reifen in Intervallen von höchstens drei Jahren wechseln. In solchen Fällen lohnen sich eindeutig die Ganzjahresreifen. Da bei Fahrten mit dem Auto die Sicherheit an erster Stelle steht, aber auch der Aufwand und das Handling eine Rolle spielen sollten, empfehle ich günstige Ganzjahresreifen auf tyre-pool.de .

Rechtliche Situation

Vor allem in Ländern mit geringen Temperaturunterschieden fahren die Menschen gerne mit Allwetterreifen und sparen sich den höheren Aufwand einer Acht-Fach-Bereifung. In Deutschland hingegen gilt seit dem 4. Dezember 2010 eine situative Winterreifenpflicht. Für winterliche Verhältnisse, insbesondere bei Glätte, hervorgerufen durch Eis, Reif und Schnee, schreibt die StVO (§ 2, Abs. 3a) die Nutzung von M+S-Reifen vor. Allwetter bzw. die gesetzlich vorgeschriebenen Reifen sind immer mit dem M+S Zeichen oder einer Schneeflocke gekennzeichnet. Sie gehören dadurch zu den gesetzlich zugelassenen Winterreifenmodellen. Sie sind insofern als wintertauglich gekennzeichnet und sind ausdrücklich erlaubt. Nur wer bei winterlicher Witterung nicht mit entsprechend gekennzeichneten Reifen fährt, begeht eine Ordnungswidrigkeit im Sinne der Straßenverkehrsordnung.


Autor: Johannes Wiesinger

bearbeitet: 05.03.2017









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